Aktuelle Informationen der Initiative für den Erhalt der Kinderbibliothek am Grindel gibt es unter www.kibi-muss-bleiben.de
Schließung der Kinderbibliothek?
Vorgeschichte: das Sterben der öffentlichen Bücherhallen in Hamburg
Was ist die Kinderbibliothek am Grindelberg
Für den Erhalt der Kinderbibliothek am Grindelberg
Schließung der Kinderbibliothek?
"Ich wuenschte, ich koennte all meine Figuren aus meinen Buechern lesen, damit sie heute mit euch dagegen protestieren, dass die Kinderbibliothek am Grindel geschlossen werden soll. Ich kann es wirklich nicht glauben, dass meine alte Heimatstadt Hamburg behauptet, sie koennte sich diesen Buecherplatz fuer Kinder nicht mehr leisten!
Als ich noch so alt war wie ihr (na ja, besser: so jung), gab es fuer mich keinen aufregenderen Ort als die Bibliothek, zu der mein Vater mich immer mitnahm und ich waere ohne die Buecher dort aufs jaemmerlichste verhungert. Sollte Hamburg eure Bibliothek tatsaechlich schliessen, dann muss es sich bis auf den tiefsten schlammigsten Elbgrund schaemen und ich hoffe sehr, dass ihr meine alte Heimat noch von dieser Riesendummheit abhalten koennt!
mit ganz herzlichen Gruessen aus Los Angeles und auch noch ein paar sehr aergerlichen (aber die sind natuerlich nicht an euch gerichtet)
Eure
Cornelia Funke"
Am 14.6.2007 ist eine Mitteilung auf dem Anrufbeantworter eines Elternratsmitgliedes: Ist dem Elternrat schon bekannt, daß die Kinderbibliothek am Grindelberg geschlossen werden soll? Nein, war es nicht. Aber eine kurze Recherche im Internet bestätigt, daß der Hamburger Senat genau dies beschlossen hat:
Hierzu soll zunächst der Kindermedienbereich der Zentralbibliothek durch Integration der zurzeit am Grindel gelegenen Kinderbibliothek Kibi@HH zu einem eigenständigen Kindermedienzentrum mit umfangreichen Leseförderungsaktivitäten erweitert werden. Geplanter Eröffnungstermin: Herbst 2008.
Aus: Pressemitteilung des Senates vom 12.6.2007 ).
Was sich in der Pressemitteilung so positiv anhört, bedeutet für den Standort am Grindelberg schlicht das "Aus". Angesichts der vielfältigen Kontakte, die Kinder der Schule Kielortallee in die Bücherhalle haben, sind nicht nur die Mitglieder des Elternrates, sondern auch alle anderen Menschen, die in den nächsten Tagen an der Schule von der bevorstehenden Schließung erfahren, entsetzt. Der Elternrat beschließt, sich für den Erhalt der Kinderbibliothek einzusetzen. Erster Schritt dazu ist ein Antrag an die Schulkonferenz, der dort am 19.6. einstimmig beschlossen wurde. Zu Unterstützung des Beschlußes der Schulkonferenz wurden im Rahmen des Schulfestes am 24.6. innerhalb von zwei Stunden mehr als 180 Unterschriften gesammelt. Kinder der Schule haben einen Brief an die zuständige Kultursenatorin geschrieben, in dem sie sich für den Erhalt der Bibliothek einsetzen. In den Pausen sammeln sie dafür Unterschriften.
"Kinder brauchen öffentliche Bibliotheken in Fußwegnähe. Sie müssen angesichts der einladenden und anfassbaren Auswahl dort lernen, ihre eigenen Lesevorlieben zu entdecken und den Wert von Empfehlungen einzuschätzen. Nur eine nahe gelegene, kinderfreundliche Stadtteil-Bibliothek gewährleistet diesen Bildungsanspruch. Wer immer mehr Stadtteilbibliotheken schließt, macht sich mitschuldig daran, dass die nachwachsende Generation kultur- und politikfremder wird. Das Buch in der Hand und der Gedankenaustausch über das Gelesene ist für die Entwicklung unserer Kinder zum informierten und verantwortungsbereiten, erwachsenen Staatsbürger allemal wertvoller als die häusliche Fernbedienung für TV und Video oder der Joystick für das Computerspiel."
Rolf Zuckowski
Vorgeschichte: das Sterben der öffentlichen Bücherhallen in Hamburg
Seit 1996 werden in Hamburg im Rahmen einer sog. Strukturreform Bücherhallen der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen geschlossen. Von ehemals 52 Stadtteilbüchereien (Quelle: Wikipedia) bestehen heute noch 39. Grund für die Schließungen: die Zuschüsse an die Stiftung aus dem Hamburger Haushalt wurden immer weiter reduziert. Zuletzt wurde der Zuschuß im Doppelhaushalt 2005/2006 um 900.000 € gekürzt (Quelle: Hamburger Abendblatt vom 27.6.2007).
In der näheren Umgebung der Schule Kielortallee wurden in den letzten Jahren einige Bücherhallen geschlossen:
Im Mittelweg gab es die Kinder- und Jugendbibliothek Kolibri. Nachdem die Bibliothek schon 1996 geschlossen werden sollte, wurde sie bis 2003 in Kooperation mit einem extra gegründeten Förderverein weiter betrieben. Dann wurde sie geschlossen (Hamburger Abendblatt vom 2.4.2003 und vom 4.4.2003).
Im jetzigen Standort der Kinderbibliothek am Grindelberg wurde die dort vorher bestehende "normale" Öffentliche Bücherhalle 2004 geschlossen.
In der Lenhartzstraße wurde eine Bücherhalle geschlossen. In dem Gebäude befindet sich heute das Kundenzentrum des Bezirksamtes Nord.
Die Schliessung der Kinderbibliothek Kolibri und die Schließung der Öffentlichen Bücherhalle am Grindelberg waren quasi die Geburtsstunde für die jetzige Kinderbibliothek am Grindelberg im Jahr 2004.
Was ist die Kinderbibliothek am Grindelberg?Statistische Daten über die Kinderbibliothek 2004 2005 2006
Bestand 22.377 26.448 29.460
Ausleihen 125.518 171.398 203.092
Besucher 58.949 74.827 80.989
Quelle: Jahresbericht 2006 der HÖB, S. 45
Seit der Eröffnung der Kinderbibliothek am Grindelberg erfreut sie sich gerade bei den Kindern aus der direkten Umgebung sehr großer Beliebtheit. Viele Kinder im Grundschulalter können hier eigenständig ohne Begleitung durch Erwachsene einen ersten Zugang zu Literatur, Kultur und Medien bekommen. Die Kinder nehmen diese Möglichkeit gerne wahr. Angesichts der ständigen Überfüllung sollte eher über einen Ausbau des Konzeptes z.B. in anderen Stadtteilen als über eine Schließung des Standortes am Grindelberg nachgedacht werden.
Für die umliegenden vier Grundschulen gehören Besuche in der Kinderbibliothek zum festen Bestandteil des Unterrichtes. Auch viele Kindertagesstätten aus der Umgebung nutzen die Möglichkeiten, die die Kinderbibliothek ihnen bietet. Dadurch werden Kinder sehr erfolgreich an die Kinderbibliothek herangeführt. Diese gute Kooperation basiert entscheidend auf der Möglichkeit, die Kinderbibliothek zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad zu erreichen. Sie kann durch eine Bücherkiste, die per Post oder Boten geschickt wird, nicht ersetzt werden. Die Zielgruppe der Kinderbibliothek - Kinder im Grundschulalter und darunter - ist nicht so mobil, daß sie ein zentrales Angebot ebenso wahrnehmen könnte wie dieses Angebot vor Ort. Für die Kinder wäre nach der Schließung des Standortes am Grindelberg die nächste öffentliche Bücherhalle in der Fruchtallee. Die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre würde der räumlichen Entfernung zum Opfer fallen.
Verwaltungstechnisch ist es leider anders: die Kinderbibliothek am Grindelberg ist keine Stadtteilbibliothek. Sie ist offiziell eine Außenstelle der Zentralbibliothek. Als solche soll sie jetzt in das Gebäude der Zentralbibliothek integriert werden. Der Standort Grindelberg der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen ginge verloren. Der Umzug soll 500.000 € kosten, finanziert ausgerechnet aus dem Haushalts-Sonder-"Topf" "Lebenswerte Stadt". Allein mit den Umzugskosten könnte die Kinderbibliothek am Grindel fast zwei Jahre weiter betrieben werden.
Für den Erhalt der Kinderbibliothek am Grindelberg
"Welch ein weiser Beschluss unseres Senats: Wenn Kinder aus Eismbüttel ein Buch ausleihen wollen, dann müssen sie in Zukunft zum Hauptbahnhof, zum Hühnerposten fahren. Dabei lernen sie dann auch gleich U-Bahn und S-Bahn fahren und können evtl. am Hauptbahnhof sich auch noch einen Joint besorgen.
Manche Kinder kommen dann vielleicht gar nicht erst wieder, sondern nehmen das Buch und fahren damit in die weite Welt! Großartig und weise, so eine Senatsentscheidung!"
Hans Scheibner
Elternrat und Schulkonferenz der Schule Kielortallee haben sich für den Erhalt der Kinderbibliothek ausgesprochen. Die Kinder selber sowieso. Die Eltern in den anderen Grundschulen in der Umgebung (Turmweg, Isebek, Hochallee) sehen es ähnlich. Ebenso die Eltern von Kindertagesstätten, zu denen wir bisher Kontakt aufgenommen haben. Der Kreiselternrat 31 (Eimsbüttel-Süd) hat sich ebenfalls für den Erhalt ausgesprochen.
Kinder aus den (damaligen) dritten Klassen haben in einigen Pausen insgesamt 148 Unterschriften für den Erhalt der Kinderbibliothek am Grindelberg gesammelt und dies der Kultursenatorin in einem kurzen Brief mitgeteilt.
Die Antwort an Elternrat, Kreiselternrat und Kinder ist inhaltlich gleich: die Kibi sei keine Stadtteilbibliothek; gerade weil die Kibi so gut ist, solle sie zur Zentralbibliothek; mit dem Metrobus 5 und der U1 sei der Hühnerposten für uns gut erreichbar; die Bücherhallen kooperieren mit Schulen (Lesekisten); Schulbibliotheken könnten mit Hilfe der HÖB ausgebaut werden; die Bücherhalle Doormannsweg sei auch gar nicht so weit entfernt.
Als wenn unsere Briefe gar nicht richtig gelesen worden wären ...
Und als wenn noch niemand erkannt hätte, daß die Zielgruppe der Kinderbibliothek - also die Kinder - nicht die notwendige Mobilität und Flexibilität für eine zentrale Einrichtung hat: Kinder können nicht "mal eben" alleine in die Stadt fahren.
Die Bezirksversammlung des Bezirkes Eimstüttel hat sich am 28.6.2007 in einem "interfraktionellen Antrag" aller drei Fraktionen (CDU, SPD, GAL) für den Erhalt der Kinderbibliothek am Standort Grindelberg - ersatzweise für die Wiedereinrichtung einer öffentlichen Bücherhalle mit Kinderabteilung - ausgesprochen.
Mehr als 700 TeilnehmerInnen am Laternenumzug für den Erhalt der Kibi am Grindel!
Plakat zum Laternenumzug als Download (PDF, 208 KB)
Handzettel zum Laternenumzug als Download (PDF, 247 KB)
Nach dem Laternenumzug hat sich die Initiative für den Erhalt der Kinderbibliothek endgültig "selbständig" gemacht. Aktuelle Informationen zu diesem Thema gibt es zukünftig auf der Homepage der Initiative: www.kibi-muss-bleiben.de.



